Das Palais Lobkowitz

Das Palais Lobkowitz ist der erste bedeutende barocke Stadtpalast Wiens, der nach der Zweiten Türkenbelagerung von 1683 erbaut worden ist. Bauherr war der kaiserliche Oberstallmeister Philipp Sigmund Graf von Dietrichstein, der im Jahre 1687 verbaute Grundstücke am damaligen Schweinemarkt aufkaufte. Nach einer mehrjährigen Planungsphase, die bereits einen richtigen Architektenwettbewerb mit einschloss, wurde der kaiserliche Hofingenieur Giovanni Pietro Tencala mit dem Bau beauftragt.

Den Mittelrisalit mit dem Hauptportal ließ Dietrichstein von Johann Bernhard Fischer von Erlach gestalten. 1694 war das Palais vollendet, diverse Umbauten in den Folgejahren veränderten das architektonische Grundkonzept nicht mehr. Um 1730 wurde der Festsaal ausgestaltet. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel gelangte das Palais 1745 in den Besitz der Familie Lobkowitz, wo es bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts verblieb. Eine besondere Blütezeit war dem Haus unter Franz Joseph Maximilian von Lobkowitz beschieden, dessen Begeisterung für Musik und Theater außergewöhnlich groß war. Er unterhielt eine eigene Musikkapelle, veranstaltete Konzerte und musikdramatische Aufführungen und war ein Bewunderer und Förderer Ludwig van Beethovens, der oft Gast im Hause war und auch hier musizierte. Da Fürst Lobkowitz der Widmungsträger der 3. Symphonie war, erhielt der Festsaal des Hauses den Namen „Eroica-Saal".

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts verlegten die Lobkowitz den Hauptsitz der Familie ins Stammschloss nach Raudnitz (Roudnice) in Nordböhmen und gaben das Wiener Palais zur Vermietung frei. Von 1869 bis 1909 befand sich hier die französische Botschaft, von 1919 bis 1938 die tschechoslowakische Gesandtschaft. 1939 funktionierte man das Palais zum „Haus der Mode" um. Während des Zweiten Weltkriegs mittelschwer beschädigt, wurde das Haus 1946 von der französischen Besatzungsmacht gemietet, renoviert, neu eingerichtet und beherbergte von 1947 bis 1979 das französische Kulturinstitut. In der Folge gelangte das Palais in den Besitz der Republik Österreich, wurde generalsaniert und für die Benützung durch die Theatersammlung der Österreichischen Nationalbibliothek und des Österreichischen Theatermuseums zweckentsprechend umgebaut. Im Laufe des Jahres 1991 konnte die ehemalige Theatersammlung - sie war am 1. Jänner 1991 aus dem Verband der Österreichischen Nationalbibliothek ausgegliedert worden - in das dreihundertjährige Barockpalais übersiedeln.  Am 26. Oktober 1991 wurde das Österreichische Theatermuseum im Palais Lobkowitz feierlich eröffnet.


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