Künstlerandenken

Die Sammlung „Künstlerandenken“ umfasst etwa 2.500 Objekte, die von  kultur- und theaterhistorischer Bedeutung sind. Es handelt sich größtenteils um private Andenken an berühmte Künstler der österreichischen Theaterlandschaft. Die Erinnerungen an und aus Theatergebäuden bilden einen eigenen Bereich innerhalb der Sammlung.

Gerade im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert kam es zu einer fast kultischen Verehrung des Theaters und seiner Stars. Die Künstlerandenken sind Zeugnisse der gesellschaftlichen Bedeutung der Wiener Theater und ihrer Protagonisten. Die Vermächtnisse der Künstler umfassen Gebrauchs- und Ziergegenstände des Alltags darunter auch sehr Persönliches. Brillen, Gehstöcke, Federhalter, Brieftaschen, Schmuck und sogar  vollständige  Zimmereinrichtungen finden sich in der Sammlung. Die Nachlässe von Hugo Thimig (1854 – 1944) und dem Ehepaar Hermann Bahr (1863 – 1934) sowie Anna Bahr-Mildenburg (1874 – 1947) beinhalten beeindruckende Dokumente von kultur- und sozialhistorischer Bedeutung.

Mit der der rasch voranschreitenden  Industrialisierung im 19. Jahrhundert erlebte das Bürgertum einen massiven Aufschwung und erlangte mehr und mehr Einfluss. Durch die Mechanisierung wurde die Herstellung von Massenwaren möglich und die Mobilität der Menschen nahm zu. Gerade in Wien, wie kaum in einer anderen Stadt, erlebte die Kulturbegeisterung der Bevölkerung einen neuen Höhepunkt. Die Lieblinge der Bühne wurden verehrt;  Schauspieler und Sänger erlangten durch ihre Rollen ungeahnte Bekanntheit. Die Industrie reagierte mit der Herstellung von Motiv-Tassen, Nippes-Figuren und aktualitätsbezogenen Gebrauchsgegenständen wie Damenfächer mit den  Abbildungen von Schauspielern oder Konfektschachteln mit Rollendarstellungen. Die Stars wurden Vorbilder und kreierten – oft ungewollt -  Trends; auch heute noch kennt man den „Girardi Hut“.

Nicht nur den lebenden Künstlern widmete man seine Aufmerksamkeit. Auch der Totenkult wird zelebriert. Totenmasken, Haarlocken, Taschentücher oder getrocknete Blätter vom Grab des Verehrten waren begehrt und bekamen in vielen Haushalten Ehrenplätze.         

Bereits in den Anfängen der Theatersammlung wurden die kleinen Erinnerungsstücke, die Medaillons und  Gläser, die Kettchen und Amulette, Kleinplastiken, und die Toten- und Lebensmasken gesammelt und aufbewahrt. Mit und durch  diese Gegenstände konnte man das persönliche Leben der Bühnenkünstler erforschen und auf das Leben abseits der Bühne schließen. Die soziale Stellung, Vorlieben, Bedürfnisse  aber auch die Nachteile des Ruhms der Künstler erahnen.

Wichtig für die Entstehung dieser speziellen Sammlung der Künstlerandenken waren die Sammler, die Theaterbegeisterten, ja oft selbst Theaterschaffende wie Hugo Thimig (selbst Schauspieler und Burgtheaterdirektor), die mit der Übergabe ihrer Nachlässen die Basis der Sammlung schufen.  Zahlreiche Objekte aus Thimigs Privatbesitz, aber auch kleine Kostbarkeiten längst geschlossener Theater stammen aus seiner Sammlung.

Einen interessanten Blick in die Welt des österreichischen intellektuellen Großbürgertums zu Beginn des 20. Jahrhunderts geben uns die Künstlerandenken aus dem Nachlass von Hermann Bahr und Anna Bahr-Mildenburg. Es existieren beispielsweise noch Listen von Anna Bahr-Mildenburg mit Beschreibungen und Erläuterungen zu den einzelnen Gegenständen.

Hubert Marischka (Schauspieler, Operettentenor und in den Jahren 1923 bis 1935 Direktor des Theaters an der Wien) war leidenschaftlicher Sammler. Sein Nachlass ist ein Beleg für die Verehrung des volkstümlichen Theaters, das ebenfalls Kultcharakter aufweist. Objekte aus dem Besitz oder mit Abbildungen von Johann Nestroy, Wenzel Scholz, Alexander Girardi, Therese Krones oder Josefine Gallmeyer belegen auch hier auf eindrucksvolle Weise die Verehrung des Wiener Publikums. 

Auch heute erhalten wir immer wieder Schenkungen. Es handelt sich zumeist um Einzelobjekte aus dem persönlichen Besitz von Künstlern. Die Künstlerandenken erzählen die Geschichte des Künstlers und die Geschichte des Sammlers.  

Highlights

Öffnungszeiten

Montag - Donnerstag
10 - 16 Uhr
Freitag
10 - 13.30 Uhr

Terminvergabe ausschließlich nach mündlicher oder schriftlicher Voranmeldung.

Kontakt

Mag. Karin Neuwirth
Kuratorin
+43 1 525 24 5306
karin.neuwirth@theatermuseum.at

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